Risikomanager setzen neue Prioritäten

Die Corona-Pandemie verschiebt die Prioritäten von Risikomanagern.
Trotzdem bleiben Tech- und Klimarisiken die Dauerbrenner.

Corona-Pandemie setzt neue Prioritäten

Wäre die Erhebung nach Ausbruch der Pandemie erfolgt, hätten sich die Prioritäten natürlich verschoben, stellt Dirk Wegener, Präsident der FERMA, im Vorwort der Studie fest. Der ökonomische Schaden stünde kurz- und mittelfristig an erster Stelle der SorgenRangliste. Durch den Digitalisierungsschub der Corona-Pandemie erhielten Cyberrisiken nochmals eine grössere Bedeutung. Der Trend, dass Risikomanager die digitale Transformation der Firmen mitgestalten, dürfte sich akzentuieren.

Erstmals Sorge um Spezialkompetenzen

Doch schon vor der Corona-Pandemie beschäftigte das Risiko der ungewissen ökonomischen Entwicklung die Experten kurz- und mittelfristig stark, wie die Ergebnisse der Studie zeigen. Risikomanager in Versicherungen thematisierten insbesondere den hohen Wettbewerbsdruck im Unternehmensgeschäft. Als neuer Risikoaspekt im Vergleich zu den vorhergehenden Studien ist 2020 erstmals das Thema der Verfügbarkeit gewisser Spezialkompetenzen aufgetaucht. Dies akzentuiert sich insbesondere im Zusammenhang mit der Einführung neuer Technologien oder Arbeitsmodelle.

Tech-Risiken dominieren den Alltag

Die Risiken digitaler Technologien stehen im Bewusstsein einschlägiger Expertinnen und Experten weit vorn. Der Studie zufolge sind Cyberrisiken auf kurze Sicht (zwölf Monate) und auch mittelfristig (drei Jahre) die grösste Sorge von Risikomanagern in den Unternehmen. Das Thema Datendiebstahl und -missbrauch findet sich mittlerweile auf Platz vier der grössten Risiken für die kommenden zwölf Monate. Als langfristiges Risiko – der Zeithorizont beträgt hier zehn Jahre – wurden die Auswirkungen des Klimawandels genannt. In ähnlichem Ausmass machen sich die Risikoexperten Sorgen über die Gefahren aus extremen Wetterereignissen und über ein verändertes Kundenverhalten.

Branchenkonsolidierung in der Schweiz?

Die Antworten der Befragten aus der Schweiz zeigen, dass für sie die Wachstumsaussichten der kommenden zwölf Monate vor allem durch Cyberrisiken bedroht werden. Rund ein Drittel nennt zudem geopolitische Unsicherheiten an dieser Stelle. Beim Blick in die fernere Zukunft stehen die Themen Klimawandel, Umweltschäden und extreme Wetterereignisse ganz oben. Weitere Risiken werden in der möglichen weiteren Konzentration der Versicherungsunternehmen am Standort Schweiz sowie dem Wandel der Marktbedingungen gesehen. Die in der Schweiz befragten Risikomanager arbeiten zu über 90 Prozent in grossen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden. Sie verfügen zumeist über mehr als zehn Jahre Berufserfahrung und eine einschlägige Qualifikation. Die Spanne der Einkommen beträgt zwischen 110’000 und 220’000 Franken jährlich.

Risikomanager entscheiden bei neuen Technologien mit

Angesichts der Relevanz von Risiken, die mit der Computernutzung einhergehen, ist es nicht verwunderlich, dass mehr als die Hälfte aller für die Studie befragten Risikomanager eng mit der IT- und Informationssicherheitsabteilung ihrer Unternehmen zusammenarbeiten. Ein Drittel entscheidet bei der Nutzung neuer Technologien durch das Unternehmen mit. Neue Technologien halten auch im Risikomanagement Einzug: Gut zwei Drittel der Befragten nutzen Verfahren wie Datenanalyse, Datenvisualisierung, Prozessautomatisation oder künstliche Intelligenz für ihre Arbeit.

ESG-Risiken bekommen mehr Aufmerksamkeit

Zudem spielen die Risikomanager eine wachsende Rolle mit Blick auf Risiken, die aus ESGKriterien erwachsen (Environmental, Social, Governance). Bereits heute sind 40 Prozent der Befragten entweder in entsprechende Risikomanagement-Prozesse involviert oder ihr Einbezug ist vorgesehen.